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AG Internationalismen-Wörterbuch

Gegenstand der Arbeitsgemeinschaft Internationalismen-Wörterbuch ist das Sammeln und Aufbereiten von Wörtern, die in vielen Sprachen der Welt ähnlich klingen und Ähnliches bedeuten, mit Schwerpunkt auf den Amtssprachen der EU. Die Aufbereitung umfasst dabei 1. ein online-Wörterbuch nach Sachgruppen, 2. die Entwicklung von Lehrmaterialien, 3. die essayistische Bearbeitung von Fragestellungen, die sich aus dem Projekt ergeben.

Kontakt:
Dr. Bettina Bock - bettina.bock(at)uni-jena.de
Dr. Sabine Ziegler - sabine.ziegler(at)uni-jena.de

Die Idee

Internationalismen sind, wie der Name schon andeutet, Wörter, die in vielen Sprachen in ähnlicher Lautung und Bedeutung vorhanden sind. Zumeist handelt es sich um graecolateinischen Wortschatz. Dabei reichen nicht alle diese Wörter bis in die Antike und das frühe Christentum zurück. Als Gelehrtensprache wirkt Latein in Verbindung mit dem Griechischen bis in die Neuzeit – es dient quasi als Steinbruch für neue Wortschöpfungen (z.B. Computer zu lat. computo, computare „zusammenrechnen“). Internationalismen spielen daher in den unterschiedlichsten Fachsprachen eine große Rolle, aber auch in der Alltagssprache kommen sie vor. Dieser Umstand hat dazu geführt, dass sie auch im Fremdsprachenunterricht häufiger am Anfang stehen, denn so kann der Lernende an Bekanntes anknüpfen.
In der Wissenschaft ergeben sich folgende Fragen:
1. Etymologie und Wortgeschichte einzelner Internationalismen: Erstbeleg, Analyse der Wortbildung, Bedeutungsanalyse, einzelsprachliche Weiterentwicklung, Translationsprozesse
2. Internationalismen und Sprachkontakt: Internationalismen als Teilmenge von Fremd- und Lehnwörtern, Formen des Sprachkontakts
3. Internationalismen und ihre Einbindung in die Volkssprachen: Anpassungen von Internationalismen an orthographische und grammatische Normen; Volksetymologien; Lehnübersetzungen.
Mit diesen Fragestellungen sind v.a. Methoden des Sprachvergleichs, der historischen Sprachwissenschaft, der Sprachkontaktforschung, der Wortbildung u.a. verbunden. Den Schülern werden Inhalte und Methoden auf verschiedene Weise vermittelt:
1. Etymologie und Wortgeschichte sind Bestandteil des online-Wörterbuchs, aber auch Gegenstand der Lehrmaterialien und Spiele. Die Schüler werden miteinbezogen in die Ermittlung graecolateinischer Wortbestandteile. Sie lernen etymologische Wörterbücher kennen und mit ihnen zu arbeiten. Weit verbreitet ist z.B. deutsch Zelle „kleinste lebende Einheit in einem pflanzlichen od. tierischen Lebewesen“ (Duden s.v.): vgl. englisch cell, französisch cellule, italienisch cellula, niederländisch cel, rumänisch celulă, spanisch célula. Alle diese Wörter gehen auf lateinisch cella (deutsch, englisch, niederländisch) bzw. das Diminutiv cellula (französisch, italienisch, rumänisch, spanisch) zurück. Die Wortgeschichte erklärt die Bedeutungsentwicklung von lat. cella „(Vorrats-)Kammer“ zu „Körperzelle“ (über lat. cella „Bienenwabe“, engl. cell „Pflanzenzelle“, dt. Zelle „Zelle in tierischen Körpern“). Im Rahmen von Lehrmaterialien können weitere Fremdwörter gesammelt werden, die auf lat. cella basieren (z.B. noch dt. Keller, Zellophan usw.).
2. Übergeordnete Fragestellungen sind Themen von Seminararbeiten. Interessant ist z.B., in welchen Wortfeldern häufiger Internationalismen auftauchen und warum? Der politische Wortschatz z.B. ist stark durch die französische Aufklärung und die französische Revolution geprägt, selbst wenn manche Begriffe wie Demokratie schon vordem in Einzelbelegen in anderen Sprachen vorkamen. Über die Benutzung historischer Wörterbücher wie des „Deutschen Wörterbuchs“ von Jakob und Wilhelm Grimm oder der „Historischen Grundbegriffe“ ist hier ein auf linguistischem Material basierender Einblick in die Entwicklung unserer Gesellschaftsordnung zu gewinnen.
3. Lehnübersetzungen werden oft nicht miteinbezogen, wenn von Internationalismen die Rede ist. Zwar weicht hier die Ausdruckseite ab, aber die Inhaltsseite, die Bedeutung des Wortes, ist geprägt vom Vorbild. Die Ermittlung von Lehnübersetzungen ist relativ anspruchsvoll. Sie erfolgt unter Anleitung.
Für die Erstellung des Wörterbuchs selbst kommen lexikographische Methoden zum Tragen. Dazu gehört grundlegend die Organisation eines Wörterbuchs. Das geplante Wörterbuch wird nach dem Lemmawort eine Kurzangabe zur Grammatik enthalten, dann eine Bedeutungsangabe. Je nachdem können Angaben zum Gebrauch (Stilebenen, Fachsprache, Konnotation), zur Etymologie und Wortgeschichte und zu Kollokationen folgen. Die Schüler lernen dabei insbesondere die Prinzipien der Bedeutungsangaben kennen, die für ein Wörterbuch zentral sind. So reicht es eben nicht, die Entsprechungen aufzulisten.
Da das Wörterbuch online zur Verfügung gestellt wird, lernen die Schüler den Umgang mit einer Datenbank.
Der Wörterbucharbeit schließt sich die Anwendung an: in Form von Lehrmaterialien und Spielen. Die Schüler lernen, das gewonnene Wissen zu visualisieren und zu repräsentieren. Dieser Aspekt gewinnt auch in der Wissenschaft an Bedeutung.



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